Misswirtschaft: Ein Südamerika-Transfer aus der Jara-Ära bringt Red Bull Salzburg in
Turbulenzen – eine harte Strafe der FIFA droht.
Für den Argentinier Carboni zahlte Red Bull eine hohe Provision.
Es passierte am 2. November 2006, kurz nach Halloween, in einem Saal des Landesgerichtes Salzburg. Halloween also. Ein keltisches Fest, bei dem sich – schenkt man den Druiden Glauben – die Pforten zur Unterwelt öffnen. Die Unterwelt also. Was diese mit Salzburg, mit dem Gerichtssaal, mit dem österreichischen Fußball zu tun hat?
Bei näherer Betrachtung womöglich viel mehr als ursprünglich angenommen.
Denn damals, am 2. November 2006, sprach der ehemalige Red-Bull-Salzburg-Sportchef Kurt Jara vor Gericht einen Satz, der tiefe Einblicke in gespenstische Geschäfte des Fußballs zulässt – bis in die Unterwelt?
Doch der Reihe nach. Zurück ins Jahr 2005, als der Erfolgstrainer Kurt Jara mit der goldenen Red-Bull-Kreditkarte auf Shopping-Tour geht. Jara wird unter anderem in Argentinien fündig. Ezequiel Alejo Carboni heißt der Auserwählte, Vinicio Fioranelli der Vermittler.
Alter Freund
Fioranelli also, Jaras langjähriger Freund und Manager. In Kooperation mit dem Spielerberater Jorge Cyterszpiler, ebenfalls kein Unbekannter. Cyterszpiler zählt Spieler von Carboni bis Maradona zu seinen Klienten.
Kurt Jara kauft Carboni und belastet die Red-Bull-Kreditkarte mit 1,674 Millionen Euro. Ungewöhnlich allerdings ist die von Jara vorgenommene Aufteilung dieser 1,674 Millionen Euro.
1,175 Millionen Euro gehen an den argentinischen Klub Lanus – als Ablöse.
99.000 Euro gehen an Cyterszpiler – als Provision.
Und 400.000 Euro landen laut KURIER-Recherchen bei der Cyterszpiler-Firma SMS Limited in London, auf einem Schweizer Nummernkonto bei der Bank Jacob Safra. Laut Vertrag offiziell ebenfalls als Provision für Cyterszpiler.
In Summe fließen also 499.000 Euro an Provision. Im Sommer 2005 ein schaurig-schöner Schnitt für den argentinischen Agenten Cyterszpiler, dessen Name einst auf einer polizeilichen Fahndungsliste gestanden hatte.
499.000 Euro Provision – wo gibt's denn so etwas? War die Höhe dieser Summe etwa gar ein Mitgrund dafür, dass Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz Jaras Aktivitäten später als "Ungereimtheiten" bezeichnen sollte?
Neue Wahrheit
Faksimile
Anfang November 2006, kurz nach Halloween, tischt Kurt Jara bei seiner Einvernahme in einem der zahlreichen Prozesse eine neue Transfer-Version auf.
Der ehemals erfolgreichste Fußballtrainer des Landes erklärt den staunenden Zuhörern im Salzburger Gerichtssaal, dass diese 400.000 Euro an Cyterszpilers SMS Limited gar keine Provisionszahlung gewesen sein sollen, sondern stattdessen ein Teil der Transfersumme. Laut Gerichtsprotokoll behauptet Jara, Carbonis Arbeitgeber, der Klub Lanus, hätte den Wunsch geäußert, "dass nicht die gesamte Ablösesumme von 1,575 Millionen an den Klub zu fließen habe, sondern 400.000 Euro direkt an einen Herrn Cyterszpiler, der offenbar noch eine Forderung in dieser Größenordnung gegenüber dem Klub hatte." Jara zum Richter: "In Wahrheit ging also ein Teil der Ablösesumme über Aufforderung des Clubs an Cyterszpiler."
Demnach ein ganz normales Geschäft. Vermittelt, wie so oft, von Jaras Freund und Manager Vinicio Fioranelli. Der Deal hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Die 400.000 Euro wurden auf den offiziellen Red-Bull-Veträgen von Jara als "Provision" tituliert – und nicht als Teil der Transfersumme. Doch stört das wirklich jemanden?
Es stört. Es stört den ÖFB. Es stört die FIFA, den Fußball-Weltverband, der solche Scheingeschäfte streng verboten hat, um mögliche Geldwäsche oder Veruntreuung zu verhindern. Artikel 18, Absatz 3 des FIFA-Regulativs untersagt einem Verein "strikt, einen Teil der Transfersumme einem Spielervermittler zukommen zu lassen."
Spannende Fragen
Für Red Bull Salzburg dürfte Jaras bemerkenswerter 400.000-Euro-Deal aus dem Jahr 2005 vier Jahre später höchst unangenehme Folgen haben. Im besten Fall kassiert der österreichischen Branchenprimus eine saftige Geldstrafe. Im schlimmsten Fall drohen eine Transfersperre oder gar der Ausschluss aus internationalen Bewerben.
Für die Herren Jara, Fioranelli und Cyterszpiler, die den Transfer samt der seltsamen 400.000-Euro-Transaktion durchgeführt haben, kommt es womöglich noch dicker: Der Klub Lanus hat mittlerweile schriftlich wissen lassen, dass es niemals einen Auftrag für eine solche 400.000-Euro-Überweisung gegeben habe.
Daraus ergeben sich spannende Fragen:
Was waren die 400.000 Euro wirklich? Wer hat diese Summe bei der Bank Jacob Safra behoben? Und wo ist Geld aus dem Hause Red Bull tatsächlich gelandet?
Die Antworten auf diese Fragen interessieren nicht nur die FIFA, sondern sicherlich auch die Steuerbehörden und Gerichte.
Artikel vom 03.01.2009 17:06 | KURIER | Rainer Fleckl


